Predigt zum 3. Sonntag in der Osterzeit

Liebe Gläubige,
Wir Christen haben es nicht leicht mit dem Osterglauben. Und doch ist er das Zentrum des ganzen Christentums. Warum sollten wir Jesus verehren, und sogar als Gott anbeten, wenn nach seinem Tod alles aus gewesen wäre? Warum hätten die Jünger nach seinem Tod in seinem Willen weiter machen sollen? Seine Kreuzigung bedeutete doch das Scheitern seiner Mission, das Ende. Warum haben dann einige seiner Freunde begonnen, die Kirche zu gründen? Das sind die Fragen, die der Evangelist im heutigen Evangelium zu klären versucht. Außerdem setzt er sich mit naheliegenden natürlichen und auch übernatürlichen Erklärungsversuchen der Menschen damals auseinander. Aber der Reihe nach!
Zuerst ist alles so, wie erwartet! Die Jünger sind von Jesus enttäuscht. Sie fühlen sich verlassen und als „Loser“. Ein Messias, der von den Römern gekreuzigt wird, das ist auch für sie nur sehr schwer vorstellbar. Also ist alles aus und vorbei. Sie haben sich damit abgefunden, dass sie sich in Jesus getäuscht haben. Ihr Leben ist nun geprägt von der Angst mit Jesus in einen Topf geschmissen zu werden. Sie glauben, dass ihnen auch Verhaftung und Folter drohen. Sie ziehen sich daher aus der Öffentlichkeit zurück und verstecken sich. Das ist auch die Einstellung vieler Christen heute. Vielen erscheint es so, dass Gott, dass Jesus, auch heute unterlegen ist. Die Gesellschaft und ihre Mechanismen haben, wie damals, gesiegt. Gott erscheint vielen als schwach und unterlegen. Das Streben der Menschen und ihre vielfältigen Interessen scheinen über den Glauben gesiegt zu haben. Die Interessen von Gesundheit, Freizeit, Freiheit und Geldverdienen haben Jesus aus dem Herzen verdrängt. Es ist, als ob Jesus noch immer, oder wieder am Kreuz hängt. Gott scheint tot zu sein! Und wie die Jünger damals verstecken sich heute die Christen heute in ihnen Kirchen und hinter ihren Traditionen, ohne in die Welt hinein zu wirken und die Botschaft Christi weiter zu verbreiten. Daher werden es auch immer weniger, die noch an den alten Bräuchen festhalten. Das ist die Situation der Christen heute; da geht es ihnen wie den Jüngern nach der Kreuzigung. Aber ist das das Ende?
Das heutige Evangelium sagt uns etwas anderes! In dieser tristen Situation platzt Jesus plötzlich herein. Ob der ganz normal durch die Tür gekommen ist, oder ob er irgendwie erschienen ist, das spielt keine Rolle. Jedenfalls ist er völlig unerwartet wieder da. Und der Evangelist legt Wert darauf festzustellen, dass es derselbe Jesus ist, der vorher als Besiegter am Kreuz verstorben ist. Die Wunden, die er den Jüngern zeigt, beweisen es. Durch das gemeinsame Essen mit den Jüngern versucht der Evangelist die Erklärungsversuche zu entkräften, die in Richtung Wunschdenken, oder einer Illusion der die Jünger erlegen sind gehen. Jesus, der gekreuzigte, ist real wieder da. Das ist seine Botschaft. Gott ist nicht unterlegen! Er hat gesiegt und sich als stärker erwiesen, als alle Machenschaften der Menschen. Gott ist kein ohnmächtiger Gott, sondern der wirkmächtige Lenker der Welt. Er kann sogar den Tod besiegen. Die Jünger können Gott vertrauen, in jeder Lebenslage, auch wenn es aussichtslos erscheint. Keine Macht kann sich mit ihm messen. Das ist die Osterbotschaft, die die Jünger so verwandelt hat, dass sie begonnen haben, in Jesu Sinne zu wirken. So hat die Kirche begonnen, sich zu entwickeln. Die Auferstehung Jesu, so wie sie die Jünger erfahren haben war der Startschuss und die Voraussetzung für das Entstehen der Kirche. Wir sind, wie gesagt, heute in der Situation der Jünger. Auch wir haben die Möglichkeit, den Auferstandenen zu sehen, oder zu erleben. In seinem Wirken können wir die Nähe des allmächtigen Gottes erfahren, wenn sich etwas unerwartet zum Guten wendet, wenn ich Liebe und Geborgenheit erfahre, wenn etwas gerade noch einmal gut ausgeht, wenn wir sagen, dass  wir einen Schutzengel gehabt haben. Das sind unsere Ostererfahrungen heute. So können wir den Auferstandenen sehen. So kann er auch uns verwandeln, wie die Jünger damals. So kann auch heute noch Kirche entstehen, wenn wir uns, wie die Jünger damals, trauen, in die Öffentlichkeit zu gehen und von den Erlebnissen mit dem Auferstandenen zu erzählen. Sagen wir allen: Wir haben den Herrn gesehen und erlebt! Dann beginnt die Kirche, wie damals, neu zu leben und sich auszubreiten. Denn Gott wirkt auch heute noch, und Auferstehungsgeschichten gibt es auch heute noch. Man muss sie nur sehen wollen.