Predigt zum 3. Sonntag im Jahr

Liebe Gläubige!
Wie kann ich Menschen dazu bringen, dass sie sich für Gott interessieren? Diese Frage hat sich sicherlich auch Jesus gestellt, als er mit seiner Verkündigung begonnen hat. Diese Frage ist auch heute für die Kirche brisant. Dauernd hören wir Meldungen von der Krise der Kirche und vielen Austritten. Aber noch mehr Menschen scheinen, was den Glauben betrifft, gleichgültig geworden zu sein. Was bringt mir der Glaube, so fragen heute viele! Das ist doch alles altmodisch und nicht mehr aktuell! Jesus ist es sicher ähnlich ergangen. Wie hat er die Situation gemeistert?
Zuerst einmal hat er das aufgegriffen, was die Menschen bewegt hat: Damals war das die Sache mit Johannes dem Täufer. Wie er gegen den Herodes und seinen Lebenswandel zu Felde gezogen ist! Wie er sich getraut hat, auszusprechen was alle nur gedacht haben! Der Mut und die Aufrichtigkeit des Johannes haben sicher viele fasziniert. Was hat ihm diese Kraft gegeben? Warum hat sich er nicht mit der Situation abgefunden, wie alle anderen auch? Hat ihm eine höhere Macht vielleicht Kraft gegeben? Viele erinnerten sich in diesem Zusammenhang an das alte Wort von den Propheten, dass Gott eingreifen wird und endlich für Recht und Gerechtigkeit sorgen wird. Wir haben es in der Lesung gehört.
Da haben wir schon etwas, was mir der Glaube im Leben bringt: Er gibt Kraft! Kraft Dinge zu verändern, die geändert werden müssten. Er gibt Kraft sein Leben selbst in die Hand zu nehmen, und sich nicht nur von den gesellschaftlichen Zwängen treiben zu lassen. Er gibt Kraft aufzutreten, statt sich anzupassen. Johannes der Täufer ist der Zeuge dafür.
Jesus hat scheinbar nahtlos daran angeknüpft. Er hat die Botschaft des Johannes aufgegriffen, sogar wortwörtlich: „Kehrt um, dann das Himmelreich ist Nahe!“ Er hat sicher zunächst also die Sache des Johannes weitergeführt. Das beantwortet die Frage, wie wir heute für den Glauben eintreten sollen: Wir brauchen nichts Neues zu erfinden, wir brauchen keine neue Kirche, oder ein neues Konzil. Was wir brauchen sind Menschen, die sich engagieren. Wie Jesus, in dessen Nachfolge wir stehen, müssen wir endlich aufstehen und ernst machen mit dem Glauben. Die Menschen müssen wieder merken, dass wir Christen sind. Wir müssen versuchen glaubwürdiger zu werden und unseren Glauben auch im Alltag zu bekennen. Nur so können wir Menschen wieder für die Kirche, für Jesus begeistern.
Das war es nämlich, was Jesus so attraktiv gemacht hat: Er hat es mit seinem Glauben nicht nur bei Worten belassen. Sondern er hat Taten gesetzt! Er hat geholfen und geheilt. Ihm ist es so gelungen, Menschen in seinen Bann zu ziehen. Auf diese Weise hat er seine Helfer gefunden, die mit ihm gegangen sind, und den Glauben dann selber verbreitet haben. Es entstand so das Schneeballprinzip bei der Glaubensverbreitung.
Wir sehen es ja selber an den Muslimen bei uns. Sie stehen zu ihrer Religion, auch wenn sie nur eine Minderheit in der Gesellschaft sind. Sie treten für ihren Glauben ein. Wir Christen sind lau geworden, und darum machen uns die glaubensstärkeren Muslimen Angst.
So kann uns das erste öffentliche Auftreten von Jesus vieles für unsere heutige Situation sagen. Es gilt unseren altbekannten Glauben wieder aufzugreifen, zu vertiefen und wieder neu in der Öffentlichkeit zu leben, ohne allzu viele Kompromisse, Worte und wenn und aber.