Predigt zum Kirchweihfest

Liebe Gläubige!
Wir feiern heute zwei Feste: Den Namenstag unserer Kirche, auch Patrozinium genannt, und unser Kirchweihfest. Der Weihetag der Kirche war ursprünglich der 10.01.1785. Aber schon bald wurden diese beiden Feste auf den Dreifaltigkeitssonntag zusammengelegt. Das hat wohl ausschließlich praktische Gründe gehabt: Im Winter ist es schwierig Kirchweih zu feiern, da die Feierlichkeiten, die dieses Fest umrahmen, auch heute noch meist im Freien stattfinden. Leider vergisst vor lauter Feiern mancher den Grund. Aber wir sind hier versammelt um Gott für die Weihe unserer Kirche zu danken. Sie will uns nicht nur an Gott erinnern, mit dem Kirchturm, der quasi wie ein Zeigefinger in den Himmel ragt. Er will uns sagen: Denk daran, die Erfüllung deines Lebens findest du im Himmel! Alles was du bist und was du hast, verdankst du im Letzten Gott, dem Allmächtigen. Das ist in unserer Zeit ziemlich in Vergessenheit geraten. Viele denken, ich bin es doch der arbeitet, es ist doch mein Fleiß, dem ich alles verdanke, was ich brauche! Zu was ist dann Gott eigentlich gut? So spielt bei Manchen Gott im alltäglichen Leben auch keine Rolle mehr. Die Kirche ist zu einer Art Servicestation geworden für Feiern an den Wendepunkten des Lebens. Bei einer Hochzeit, oder einem Begräbnis, oder einer Taufe und bei den Hochfesten geht man noch in diese Kirche, aber sonst ist sie ein Gebäude wie viele andere auch. Aber wir wissen, dass die Kirche mehr ist als ein Versammlungsraum für verschiedene Dienstleistungen. Die Kirche ist der Ort der Gegenwart Gottes. Hier ist Gott besonders gegenwärtig in der Eucharistie, die im Tabernakel aufbewahrt wird. Darum machen wir auch eine Kniebeuge, wenn wir die Kirche betreten: Wir machen uns klein vor Gott, um ihm die Ehre zu geben. Wir denken daran, dass wir immer in Gottes Hand sind, und dass er es ist, der unser Leben lenkt. Bei Unglücksfällen und Katastrophen, die wir nicht verstehen können, wird uns meist schmerzlich bewusst, dass wir unser Leben nicht selber in der Hand haben. Die Kirche soll uns auch im Alltag an diese Tatsachen erinnern.
Die Bibeltexte zu Kirchweih legen wert darauf zu betonen, dass die Kirche nur der äußere Raum für die eigentliche Kirche ist. Das Wort Kirche ist ursprünglich griechisch und bedeutet dem Herrn gehörend. So ist die eigentliche Kirche die Gemeinschaft der Christen der Pfarre Oberstrahlbach. Jeder von uns ist so ein lebendiger Stein in dieser Kirche. Wenn nun ein Stein in diesem geistigen Bauwerk zu bröckeln anfängt, dann betrifft es auch die ganze Kirche. So soll jedem einleuchten, dass es auf ihn ankommt, ob unsere Kirche aktiv und attraktiv ist. Es kommt auf jeden von den Christen in Oberstrahlbach an, wie glaubwürdig unsere Kirche ist. Ich glaube das spielt eine viel größere Rolle, als das unglückliche Auftreten des einen oder anderen Bischofs. Wenn wir alle versuchen wirklich christlich zu leben, füreinander da sind, verzeihen können, und Zeit für Gott haben, dann wird nicht nur unser Leben glücklicher, sondern wir werden zu einer Gemeinschaft, in der wir uns wohlfühlen. Dann kommt es keinem in den Sinn, der hier bei uns lebt, dieser Kirche durch einen Austritt, den Rücken zu kehren. Aber das durchzuhalten ist eben nicht leicht! Der Apostel Petrus versucht das in seinem Brief mit dem Wortspiel vom Eckstein zu verdeutlichen: Als Eckstein bezeichnet man den wichtigsten Stein im ganzen Bauwerk. Er ist es, der alles zusammenhält. Dieser Eckstein soll für uns Christus sein. Er soll unser ganzes Leben zusammenhalten. Aber ein Eckstein ist ein Stein, der auch eine Kante hat, der Spitz ist, an dem man sich verletzten kann, über den man stolpern kann. Petrus will uns sagen, das Christsein nicht ein flaches dahinleben ist, indem ich mit der Masse mit schwimme. Ein Christ soll immer einer sein, der herausragt aus dem Gewöhnlichen, durch seine guten Taten. So kann er zum Anstoß im Denken vieler werden — wie Christus es uns vorgelebt hat --, wenn sie sich fragen: Warum tut der das, wenn er selber gar nichts davon hat? Wer so lebt, der wird andere für den Glauben begeistern und wird zum besonderen Eigentum Gottes und ist berufen in Gottes wunderbarem Licht zu leben im Leben, wie im Tod.