Predigt zum Kirchweihfest

Liebe Gläubige!
Viel war heute von Dämonen, Teufeln, und Schlagen, die verführen, die Rede. Früher war das ein Lieblingsthema vieler Prediger. Man hat den Menschen damit Angst gemacht, vielleicht nicht so sehr um sie klein zu halten und beherrschen zu können, sondern um sie aus Angst vor den Höllenstrafen zu einem christlichen Leben zu bewegen. Dann ist in den sechziger Jahren das Pendel in die andere Richtung ausgeschlagen: Es wurde in Frage gestellt, ob es den Teufel und die Hölle überhaupt gibt. Die Kirche und die Menschen haben sich befreit von der Angst vor dem Teufel und der Hölle. Allerdings hat das zur Folge, dass das Christentum irgendwie belanglos geworden ist. „Wir kommen alle alle in den Himmel" war jetzt das Motto. Wer braucht da noch die Kirche als Vermittler? „Das mache ich mir mit dem Herrgott einmal selber aus!" Das war und ist das Motto vieler Menschen heute. Dass dahinter das Gottesbild eines mehr oder weniger hilflosen Opas dahintersteckt, den ich auch über den Tisch ziehen kann, ist eine andere Geschichte. So ist es an der Zeit, einmal wieder ganz Nüchtern und ohne Angst über die Sünde zu reden. In der Lesung vom sogenannten Sündenfall wird sie thematisiert, ohne ausdrücklich erwähnt zu werden: Es dürfte allen klar sein, dass diese Erzählung kein Tatsachenbericht ist, sondern im Kleid einer Fabel oder eines Märchens das Wesen der Sünde klar macht. Zuerst wird festgestellt, dass der Mensch von Gott gut geschaffen ist. Er ist darauf angelegt, mit Gott in einem engen Verhältnis zu leben. Dieses Verhältnis wird Paradies genannt. Aber der Mensch entscheidet sich nun, gegen die erklärte Schöpfungsabsicht Gottes zu handeln. Es will eigenmächtig in die Schöpfung eingreifen und eigene Gesetze und Gebote aufstellen. Er bewirkt damit die Umkehrung der Schöpfung. Gott hat den Menschen aus Staub geschaffen. Die Folge der Sünde ist, dass er zum Staub zurückkehren wird. Psychologisch gesehen bewirkt die Sünde das Bewusstwerden seiner Nacktheit und die damit verbundene Scham. Weiteres führt die Sünde zur Entzweiung der Menschen: Der Mann belastet die Frau, die Frau redet sich auf die Schlange aus. Ökologisch gesehen bewirkt die Sünde die Entzweiung der ganzen Schöpfung. Was Gott für den Menschen geschaffen hat, wendet sich gegen den Menschen. Auf diesen drei Ebenen wirkt die Sünde und zieht weitere Folgen nach sich bis heute. Das anfängliche Naheverhältnis zwischen Mensch und Gott ist zerbrochen. Wir fühlen uns auf der einen Seite als alleingelassen, aber auch auf der anderen Seite als unbestrittene Herrscher der Schöpfung, mit den Folgen die wir heute sehen. Umweltzerstörung, Kriege, Unterdrückung, Ausbeutung, Hunger und noch vieles mehr sind die Dämonen mit denen wir heute zu kämpfen haben, und die wir heute austreiben müssen. Da kommt nun im Evangelium die Familie Jesu und will ihn von der Austreibung dieser Dämonen abhalten, so dass das ursprüngliche Paradies, oder wie es im Evangelium heißt, das Reich Gottes, nicht anbrechen kann. Daher die schroffe Reaktion Jesu. Aber Jesus macht damit auch klar, dass wir als Christen etwas tun müssen, um den Willen Gottes zu erfüllen. Es liegt, nach Gottes Willen, in unserer Hand, wie es auf der Welt zugeht. Das beinhaltet auch, das Gegenteil: Wenn ein Mensch in seinem eigensinnigen Widerspruch gegen Gott verharrt, schließt er sich selbst vom Heil aus. Hier ist dann auch das grenzenlose Erbarmen Gottes an eine Grenze gestoßen. Gott schränkt unsere Freiheit nicht ein. Es liegt an unseren Entscheidungen und Taten etwas zu verbessern und die Dämonen unserer Zeit auszutreiben, oder nichts zu tun und diesen Dämonen mehr oder weniger zu verfallen und sie gewähren zu lassen.