Predigt zum 1. Advent

Liebe Gläubige
„Ich habe keine Zeit“, diese Phrase wird von uns gern scherzhaft als Rentnergruß bezeichnet. Aber ich höre es auch immer wieder, wenn es um den Glauben und seine Verwirklichung im Alltag geht. Alles andere im Leben scheint wichtiger zu sein, als seinen Glauben zu leben, denn der Herrgott ist ja nicht so. Der ist ja der gute Großvater im Himmel, der gar nicht anders kann, als uns lieb zu haben. So denken viele. Vielleicht wird dieses Denken auch dadurch gefördert, dass wir Gott im Alltag nicht Auge in Auge gegenüberstehen; und die Symbole der Nähe Gottes, wie das Kreuz zum Beispiel, scheinen uns nur ein schlechtes Gewissen zu machen, daher sollten sie schnellstens verschwinden. Viele Menschen, auch Christen, wollen im Alltag gar nicht mehr an Gott erinnert werden. Oder wer achtet noch auf die Glocken und betet den Engel des Herrn? Wir haben heute im Lukasevangelium gehört, wie Lukas seine Gemeinde vor dieser Entwicklung warnt. Daher wollen wir uns am heutigen ersten Adventsonntag ganz bewusst den Symbolen der Nähe Gottes zuwenden. Denn Advent heißt Ankunft, und Gott soll ja in dieser Zeit in unserem Herzen und Bewusstsein ankommen.  Damit der Adventkranz, der in dieser Zeit ja im Mittelpunkt der christlichen Symbolik steht, nicht nur ein gestalterisches Accessoire in der Wohnung ist, möchte ich die Symbolik heute näher beleuchten.
Das ist zunächst der grüne Kranz. Grün ist die Farbe der Hoffnung und des Lebens. Jetzt in der kargen Zeit des Winters, da die Natur kahl und tot zu schein scheint, ist man froh wieder etwas Grünes zu sehen. Es steht für den Kreislauf des Lebens, für das neu geboren werden. Schnell denken wir da, dass wir Christen ja auch auf die Geburt des Jesuskindes warten. Jedes Jahr feiern wir, dass Gott uns in Jesus Christus entgegengekommen ist. Jedes Jahr will uns Gott näher sein und uns seine gute Begleitung noch näher spüren lassen. So können wir die Hoffnung haben, dass Gott uns im Alltag nicht im Stich lässt. Der Kreis des Kranzes deutet darauf hin, dass die Liebe Gottes zu uns keinen Anfang und kein Ende hat. Wir können den Kranz auch deuten als die Hoffnung auf das ewige Leben in der Nähe Gottes. Diese Bedeutung hat auch der Kranz am Grab: Wie der Kranz so hat auch das Leben kein Ende.
Jeden Adventkranz zieren auch die vier Kerzen. Sie stehen zum Einen für die 4 Sonntage im Advent. Zum Anderen ist eine Kerze immer ein Symbol für Jesus Christus selber. Die Kerze gibt Licht in der Dunkelheit, gibt Orientierung und schafft Geborgenheit. Zuletzt verbrennt und verzehrt sich die Kerze im Dienst für die Menschen. Genauso will Christus das Licht in unserem Leben sein, uns Orientierung und Lebenshilfe geben. Außerdem hat er für uns Menschen sein Leben aufgezehrt und hingegeben. Wenn nun immer mehr Kerzen brennen und sich das Licht immer mehr ausbreitet, dann ist das das Symbol dafür, dass Jesus unser Leben immer heller machen will mit seiner Nähe und Liebe. Wir erleben, dass Christus uns immer näher ist, und durch seine Geburt, die wir erwarten, sogar unser Leben mit uns geteilt hat. Die Farbe von 3 Kerzen ist violett. Violett symbolisiert das Innehalten und Nachdenken. Es ist auch die Farbe der Buße und des Fastens. Jetzt sind wir wieder beim Zeit haben für Gott. In der Adventzeit sollen wir uns ganz bewusst Zeit nehmen zum Gebet und dazu, den Glauben wieder mehr zu praktizieren. Die Adventzeit soll und alle zu bessere Christen machen. Die Kerze für den dritten Adventsonntag, dem Freudensonntag, ist ein wenig heller gehalten. Das soll die Vorfreude auf Weihnachten wiederspiegeln, dem Fest an dem sich Himmel und Erde verbunden hat.
Der andere Schmuck des Adventkranzes, die Mascherl, Tannenzapfen und Duftelemente, sollen diesen Aspekt der Freude über die Nähe Gottes in unserem Leben noch verdeutlichen. So wünsche ich ihnen eine schöne Adventzeit, eine Zeit der Besinnung und der Vorfreude, und eine Zeit des tieferen Glaubenserlebens, so dass wir alle Jahr für Jahr bessere Christen werden.