Predigt zum 7. Sonntag in der Osterzeit

Liebe Gläubige!
Das Evangelium vom heutigen Sonntag wird auch als das hohepriesterliche Gebet Jesu bezeichnet: Jesus der neue Hohepriester betet für sein neues Volk Gottes. Wie der Hohepriester der Juden stellvertretend für das ganze Volk gebetet und geopfert hat, so hat sich Jesus für uns, sein neues Volk Gottes, am Kreuz geopfert; und im Gebet, das wir heute gehört haben, tritt er für uns ein. Ich weiß nicht wie es euch ergangen ist, aber mich hat dieses Gebet zuerst etwas verwirrt. So ist es gut, wenn wir uns dieses Gebet einmal genauer zu Gemüte führen:
Zuerst meldet Jesus den Abschluss seiner Mission an Gott: Ich habe deinen Namen den Menschen geoffenbart. Mit dem Namen sind in der Bibel immer auch das Wesen und die Vollmacht gemeint. Aus Ehrfurcht haben die Juden, den Namen Gottes, den er selbst dem Mose beim brennenden Dornbusch gesagt hat, nicht ausgesprochen. Sie haben immer die Umschreibung Herr oder eben die Phrase „der Name Gottes“ gebraucht, wenn sie von Gott geredet haben. Wir können also den Satz im Evangelium übersetzten, dass es Jesu Aufgabe war, den Menschen zu zeigen, wie Gott wirklich ist, wie er wirkt, und was er von uns will. Wir können sogar noch weiter gehen: Jesus sollte Gott auf der Erde sichtbar machen und uns mit seinem Leben und Wirken einen Vorgeschmack auf das Reich Gottes geben. Diese Mission ist nun erfolgreich beendet.
„Bewahre sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast…“, so betet Jesus weiter. Also wie Jesus das Reich Gottes, sein Wesen und Wirken auf der Erde sichtbar gemacht hat, genau so sollen wir mit Gottes Hilfe weitermachen. Jesus bittet Gott, dass wir in seinem Sinne weiterwirken; und er bittet Gott darum, dass er uns bei dieser schweren Aufgabe beisteht. Er bittet den Vater, dass wir im Tun, Denken und Handeln nicht vom Willen Gottes getrennt werden. Er verweist dann darauf, dass er selber auch in dieser Einheit mit Gott gestanden hat, als er auf der Erde gewirkt hat. Bis jetzt hat Jesus selbst dafür gesorgt, dass alles in den richtigen Bahnen verläuft, nun sollen wir Christen da weitermachen, wo er aufgehört hat. Gott soll uns dabei begleiten, dass wir keine Irrwege gehen.
Weiter betet Jesus, dass wir seine Freunde in uns haben. Er meint damit, dass wir aus der geistigen Verbindung mit ihm Freude und Kraft schöpfen, da es nicht leicht ist, in der Welt und der Gesellschaft von heute die christlichen Ideen und Werke zu vollbringen. Er bittet daher auch darum, dass Gott uns vor dem Bösen bewahren möge. Jesus sieht ganz real die Möglichkeit, dass wir von dem guten Weg, den er uns vorgelebt hat, abfallen können, weil die Gesellschaft anders denkt. Wir Christen stehen in der Gefahr, uns der Gesellschaft in der wir Leben anzupassen und mit der Masse mitzuschwimmen. Jesus bittet also, dass wir unsere Augen nicht so sehr auf die Welt und ihre Prinzipien und Ideologien richten, sondern auf den Himmel und die Grundsätze Gottes, die nicht von dieser Welt sind. Diese Grundsätze Gottes bezeichnet Jesus auch als die Wahrheit, die er und die Apostel in der Welt vertreten haben:
Es geht nämlich darum, dass der Mensch, sein Wohl. und gutes Auskommen im Mittelpunkt aller Überlegungen steht; sei es nun wenn es sich um die Wirtschaft oder die Gesetzte handelt.
Es geht darum, dass wir von unserem Egoismus wegkommen, der nur das eigene Wohl im Blick hat, oft auf Kosten des Anderen.
Er geht darum, dass uns das Schicksal unserer Mitmenschen nicht gleichgültig ist, sondern dass wir eine Art Gegengesellschaft bilden, in der wir einander lieben.
Das alles werden wir nur schaffen, wenn wir im Geiste fest mit Gott verbunden bleiben. Denn wir sind, in Stellvertretung Jesu, von Gott in die Welt gesandt, damit ein Stück vom Reich Gottes in ihr aufstrahlt.