Predigt zum 6. Sonntag im Jahreskreis

Liebe Gläubige:
Kaum eine Bibelstelle ist so provokant wie die Seligpreisungen bei Lukas. Denn diese Textstelle ist zweigeteilt in Seligpreisungen, also Glückwünsche, und Weherufe, also eine Art Fluch oder Strafandrohung. Ganz automatisch stellt man sich die Frage: Was gilt jetzt für mich? Zu welcher dieser beiden Kategorien der Menschen gehöre ich? Auf der einen Seite sind die Armen, auf der anderen sind die Reichen. Wenn wir ehrlich sind, gehören wir alle zu den Reichen dieser Welt verglichen mit den Menschen in vielen anderen Ländern. Wir haben keinen Trost mehr zu erwarten, während den Armen das Himmelreich gehört. Jesus dreht die Wertmaßstäbe unserer Zeit um. Im Himmel, vor Gottes Angesicht wird es einmal ganz anders sein. Für Gott zählen andere Dinge als irdisches Wohlergehen. Was ist nun gemeint mit dem Wort wir haben keinen Trost mehr zu erwarten? Jesus spricht von den Menschen, für die Geld und Wohlergehen das Wichtigste im Leben ist. Aber wir wissen, dass das alles vergänglich ist. Bei seinem Tod kann sich niemand etwas mitnehmen. Wer im Leben nur auf sich, sein Wohlergehen und seinen Vorteil geschaut hat, der wird vor Gott mit leeren Händen dastehen. Wer es aber im Leben schwer gehabt hat, wer als Arbeitssklave ausgebeutet wurde, wie es in vielen Ländern der sogenannten 3. Welt üblich ist, kann als Trost im Himmel ein besseres Leben erwarten. Es ist sein Trost, dass Gott für Gerechtigkeit sogen wird. Während sich für uns die Angst vor dem Tod breit macht, die Angst alles zu verlieren, was uns im Leben wichtig war und doch vergänglich ist. Dieses nicht loslassen können zeigt sich unter anderem in den verschiedenen Vorstellungen von einem weiteren Leben auf Erden, einer Seelenwanderung und der Wiedergeburt. Es kann doch plötzlich nicht alles weg sein, für das ich gelebt habe!
Die folgenden beiden Seligpreisungen und Weherufe verstärken diesen Dualismus zwischen Arm und Reich noch: Es geht da ums Hungern und Weinen. Immer wieder sagt Lukas, dass Gott die Verhältnisse, offensichtlich nach dem Tod, umdrehen wird. Wir alle müssen uns vor Gott als dem Richter verantworten. Er wird für Gerechtigkeit sorgen, auch dann wo auf Erden die Ungerechtigkeit den Sieg davonträgt. Wir müssen uns klar sein, dass unser Leben für Gott sehr wohl eine wichtige Rolle spielt. Gott ist keineswegs der dümmlich, gütige Opa, der letztendlich alle seine Kinder in den Himmel aufnimmt. Auch wir müssen unseren Teil dazu beitragen. Wir müssen so zu leben versuchen, dass das Himmelreich schon auf Erden wenigstens anfanghaft anbricht. Sonst laufen wir Gefahr, dass das Christentum eine leere Brauchtumspflege wird, die in der Welt keine Rolle mehr spielt. Wir Christen müssen wieder mehr Profil gewinnen und uns von den Nichtchristen im Tun und Reden unterscheiden. Dann wird uns auch die letzte Seligpreisung betreffen, die von den bekennenden Christen handelt. Denn wer zu seinem Glauben steht und nicht mit der Masse mitläuft, der wird sehr schnell angefeindet, weil er für die Anderen zum lebendigen Vorwurf wird. Jesus fordert also von uns zu unserem Glauben zu stehen und auch danach zu handeln. Dies zeigt sich in zwei Bereichen: Dem Sozialen Bereich, ob ich nur auf mich und meinen Vorteil schaue, oder ob mir auch die Armut, der Hunger oder die Trauer der Mitmenschen ein Anliegen ist. Und dem Bereich der Gemeinschaft mit Gott, ob ich mich dem Trend der Zeit anpasse oder ob ich zu meine christliche Überzeugung lebe auch wenn es schwierig wird. Dieser Gottesdienst am Sonntag möge und zur richtigen Entscheidung Kraft geben.