Predigt zum 20. Sonntag im Jahr

Liebe Gläubige!
Feuer, Taufe und Zwietracht, das sind die Schlagworte des heutigen Evangeliums. Feuer und Taufe sind Bilder für den Glauben, und Zwietracht, Unverständnis und Anfeindung sind die Folgen dieses Glaubens, für die Jünger damals und auch für uns heute. Aber irgendwie passt dieser beinharte Jesus, der hier polarisiert, den man hier mit einem islamischen Hassprediger vergleichen kann, gar nicht in unser Jesusbild. Wir bürgerliche Christen haben uns Jesus eben so zurechtgebogen, dass er in unser Weltbild passt. Er ist irgendwie unverbindlich geworden: Jemand, der niemanden weh tut; einer dem alles recht ist, oder dem in unserer Vorstellung alles recht sein muss. So ist Jesus sicher nicht! Glaube ist nicht Gleichgültigkeit, oder brav sein vor dem Gesetz, oder die Kuschelecke privater Frömmigkeit, in der ich mich zurückziehe vor der bösen Welt. Glaube ist anders! Jesus versucht das mit den Bildern vom Feuer und von der Taufe zu verdeutlichen.
Erinnern wir uns noch, wie der Blitz in Oberstrahlbach eingeschlagen hat? Da ist uns vielleicht wieder bewusst geworden, was Feuer ist, und welche Macht in ihm steckt. Können wir uns noch erinnern, wie schnell so ein Stall abgebrannt ist, und wie die Tiere ausgesehen haben, die umgekommen sind? Oder denken wir an die verheerenden Waldbrände in Südeuropa, die wie im Fernsehen gesehen haben! Dem Feuer ist nichts gewachsen! Dem Feuer kann kaum etwas wiederstehen, auch in unserer hochtechnisierten Welt. Es ist eine Naturgewalt, die alles in kurzer Zeit zerstören kann. Zurück bleiben Ruinen und eine Wüste. Aber es ist auch wieder Platz da, damit etwas Neues entstehen kann. Ein Stall kann neu, schöner und praktischer wieder aufgebaut werden, der Wald kann wieder angepflanzt werden, und die Natur wird sich mit der Asche als Dünger bald wieder erneuert haben. Mit diesem Feuer vergleicht Jesus den Glauben. Wenn wir uns wirklich auf Jesus einlassen; wenn wir versuchen nach seinem Willen zu leben; wenn wir unserer falschen Vorstellungen von Jesus korrigieren lassen, dann kann der Glaube tatsächlich wie Feuer sein. Er wird sicher vieles von dem zerstören, was uns heute noch wichtig ist. Besitz, Ansehen, Macht, das alles wird dann nicht mehr zählen. Viele Menschen, die wir Heilige nennen, haben das so erlebt. Der Heilige Fanziskus, zum Beispiel, hat seine Karriere als Kaufmann aufgegeben und sein reiches Elternhaus verlassen, und hat wegen dem Glauben in der Wildnis gelebt. Oder Franz Jägerstetter hat wegen dem Glauben das Gefängnis und den Tod auf sich genommen. Glaube ist tatsächlich wie Feuer, er kann vieles zerstören, aber es wird dann Platz für etwas Neues, Besseres. Wir können dieses Neue mit Erfüllung im Leben, mit Glück, oder auch mit Himmel umschreiben. Jesus will und heute ermuntern: Riskiert das Feuer des Glaubens, riskiert die Schwierigkeiten der radikalen Nachfolge, der Lohn ist ein neues Leben, wenn nicht hier auf Erden, dann aber bestimmt im Himmel.
Den Begriff „Taufe“ gebraucht Jesus in ähnlicher Weise. Wir erinnern uns: Bei der Taufe wird uns Wasser über den Kopf geschüttet. Es ist Zeichen der Reinigung und des Neuanfangs. Bei Erwachsenen wird der Schmutz, das heißt die Sünden des alten Lebens, abgewaschen. In der frühen Kirche war das Zeichen der Taufe noch deutlicher: Da sind die Menschen ganz untergetaucht. Die Atemnot unter Wasser, und das eingebettet sein, war ein Zeichen für das Sterben. Das Auftauchen war dann gewissermaßen die Auferstehung zu einem neuen Leben. Wieder wird etwas vernichtet: Der Schmutz der Sünde, bzw. das alte Leben, das stirbt. Wieder ist Platz für Neues; wieder ist der Einschnitt radikal. Für Jesus heißt Glaube radikal anders leben, und dafür auch den Widerspruch der Familie und der Gesellschaft in Kauf nehmen. Der Lohn ist ein neues Leben im Angesicht Gottes. Für Jesus selber war diese Taufe, mit der er getauft werden musste, mit der das alte Leben starb, seine Kreuzigung. Dann begann auch für ihn das neue Leben bei Gott, dem Vater.
Trauen wir uns, mit unserer Lebensweise so radikal zu brechen, oder begnügen wir uns mit ein bisschen brav sein, einem Christentum light, das niemanden weh tut? Es ist der radikale Glaube, der überzeugend ist.