Predigt zum 18. Sonntag im Jahreskreis

Liebe Gläubige!
Dieses Brotwunder erinnert mich an meine Israelreise vor vielen Jahren, als es noch sicher war, in dieses Land zu reisen. Uns Pilgern wurde da am See von Genezareth neben der Primatskirche, die dem Andenken an das Petruswort „du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes“ geweiht ist, auch die Kirche der Brotvermehrung gezeigt. Ob es genau diese Stelle war, wissen wir nicht, da sich die Bibel darüber ausschweigt, wo genau es gewesen ist. Außerdem gibt es offensichtlich mehrere Überlieferungen von Brotwundern die Jesus gewirkt hat, die sich widersprechen. Es stellt sich die Frage, was wirklich passiert ist. Oder ist alles eine fromme Legende?
Der Evangelist legt Wert darauf zu erwähnen, dass sich das alles abspielte als Jesus erfahren hat, dass der König Herodes seinen Freund und Verwandten Johannes den Täufer hingerichtet hat. Diese persönliche Tragödie im Leben von Jesus ist also der Hintergrund. Für die Menschen damals und besonders für die Jünger stellt sich die Frage, warum hat Gott seinem Boten Johannes nicht geholfen? Sorgt sich Gott nicht um die Menschen? Ist ihm das Leid der Menschen egal? In diese Situation des Glaubenszweifels hinein stellt der Evangelist den Beweis, dass sich Gott sehr wohl um die Menschen kümmert. Jesus reagiert auf die Bedürfnisse der Menschen: Die Kranken heilt er; den Hungrigen gibt er zu essen, durch die wunderbare Brotvermehrung. Diese Brotvermehrung hat nun viele Deutungen erfahren. Bemerkenswert ist dabei, zum einen die Rolle der Jünger. Sie sind an diesem Wunder direkt beteiligt, als Helfer und quasi als ausführendes Organ: Durch die Arbeit und Mühen der Jünger werden sie Menschen satt. So ist die ganze Szene sehr schnell mit der Feier der Eucharistie in Verbindung gebracht worden. Die Apostel, später die Bischöfe und Priester, reichen den Menschen das Brot, das den geistigen Hunger stillt, und in jeder Heiligen Messe quasi vermehrt wird, so dass es für alle reicht. Die Eucharistie stillt dabei den Hunger nach Leben und Glück, weil ich dadurch mit Gott verbunden bin. Wichtig ist zum anderen dabei auch die Zahlensymbolik: 5 Brote und 2 Fische, das ergeben zusammen 7 Nahrungsmittel, die von den Aposteln ausgeteilt werden. So werden wir an die 7 Sakramente erinnert, die durch die Priester und Bischöfe heute gespendet werden. 7 Zeichen, die die Nähe und die Sorge Gottes um uns Menschen verdeutlichen wollen, gerade auch an Wendepunkten und Krisen des Lebens. Zuletzt noch die 12 Körbe Brot, die übrig geblieben sind. 12 ist die Zahl der Stämme Israels und die Zahl der Apostel, die der Grundstock für das neue Volk Gottes, die Christen, sind. Diese zwölf Körbe Brot zeigen nun die übergroße Gnade Gottes. Er hält mehr als genug Glück und Freude für uns bereit, die wir das neue Volk Gottes sind. Die Liebe Gottes reicht für alle und schließt niemanden aus. Dies wird auch durch die Zahl 5000 verdeutlicht, die zugleich das Zahlwort für unbegrenzt viele bildet. All diese Überlegungen sehen die Brotvermehrungsszene als Gleichnis für das Wirken Gottes.
Aber manche Ausleger gehen davon aus, dass sie nicht wirklich stattgefunden hat. Nach ihrer Meinung ist die Brotvermehrung durch das Teilen der Vielen zustande gekommen. Als die Jünger angefangen haben, das wenige, was sie zu Essen gehabt haben, auszuteilen, haben es ihnen die Zuhörer gleich getan. So hat jeder geteilt, was er für sich selbst mitgebracht hat. Plötzlich war für alle mehr als genug da. Dies appelliert an unser Herz, nicht nur an uns selber zu denken, sondern selber zu erfahren, dass besonders im Teilen Glück und ein Sinn des Lebens liegen kann. Wer Kinder hat, oder wer sich für andere engagiert der weiß, dass die Sorge um den Mitmenschen das Leben bereichern kann. Wer dem anderen in de Not beisteht, der erfährt selber Freunde und Glück. Gott hilft durch Menschen, das will uns das heutige Evangelium in jedem Fall sagen.