Predigt zum 14. Sonntag im Jahreskreis

Liebe Gläubige!
Es ist schwierig geworden in unserer Zeit über den Glauben zu reden. Vieles scheint alt und antiquiert zu sein. Im Übrigen scheint die Kirche nur Forderungen aufzustellen. Ich meine jetzt weniger den Kirchenbeitrag, sondern Forderungen die das Leben betreffen. Das sollst du tun, das sollst du lassen! Die Kirche scheint sich bei vielen auf die Moral zu reduzieren. Für andere ist Kirche so eine Art Traditionsverein, der überliefertes Brauchtum pflegt und bei Lebenswenden oder Festen für die nötige feierliche Umrahmung sorgt. Dass ich dann in die Kirche gehe, gehört dann auch zum Brauchtum. Man geht halt einfach zu bestimmten Anlässen. Aber was bedeuten Kirche und Glauben wirklich? Wie wollte Jesus, dass seine Kirche ist? Darauf gibt uns das heutige Evangelium Antwort
Jesus sendet 72 Jünger aus, die seine Botschaft verkünden sollten. Interessant ist dabei schon die Zahl 72. Man glaubte nämlich damals, dass es auf der Welt 72 verschiedene Völker gibt. Somit die Zahl 72 ein Hinweis darauf, dass die Jünger in die ganze Welt hinausgehen sollten. Jesus gibt seinen Boten auch noch Ratschläge mit, wie sie den Glauben verkünden sollen. Der erste Ratschlag ist das Gebet. Die Boten, und das sind nicht nur die Priester und kirchlichen Mitarbeiter, sollen um Gottes Hilfe bei ihrem Vorhaben bitten. Es ist schön zu wissen, dass bei allen Versuchen die christliche Botschaft den Menschen von heute nahe zu bringen, es nicht nur auf uns Menschen ankommt; Gott ist es, der das Wirken und das Gelingen schenkt.
Der zweite Ratschlag ist die Erkenntnis zu wissen, dass wir Christen, wenn wir das Christentum ernst nehmen, in einen Gegensatz zur Welt kommen. Christentum und Gesellschaft sind heute mehr denn je zwei Paar Stiefel. Längst haben sich die Werte in der Gesellschaft so verwandelt, dass es durchaus plausibel ist, wenn in der neuen EU Verfassung der Gottesbezug fehlt, weil er ja in unseren westlichen Gesellschaften auch nicht mehr vorhanden ist. Aber das Evangelium sagt uns heute, dass das auch zu Beginn des Christentums schon so war. In einer zunehmend glaubensfeindlichen Gesellschaft sollen die Christen wie Schafe sein, das heißt nicht aggressiv fordernd oder radikal, aber dennoch friedlich und unbeirrbar ihren Glauben lebend. Nicht Gleiches mit Gleichem vergelten, sondern sie sollen gerade durch ihre Friedfertigkeit und ihren Gewaltverzicht auffallen.
Der dritte Ratschlag Jesu für die christlichen Boten ist das richtige Verhältnis zum Geld und Vermögen. Geld und Geldverdienen sind heutzutage zu einem Gottesdienst Ersatz geworden. Für viele das Wichtigste im Leben, ihr Götze. Wir Christen sollten da andere Prioritäten setzten. Wenn uns insgeheim das Geldverdienen und Konsumieren wichtiger ist als Gott, dann darf es uns nicht wundern, wenn wir unglaubwürdig sind und belächelt werden.
Der vierte Ratschlag Jesu betrifft den richtigen Umgang mit den Menschen. Die Aufforderung grüßt niemand unterwegs, soll heißen dass sich die Christen nicht den Reichen oder Mächtigen anbiedern sollen. Das waren ja die Leute, die früher gegrüßt wurden. Die Verkünder des Glaubens sollen die Menschen nicht nach ihrem Stand beurteilen, sondern eher auf Seiten der Armen und Benachteiligen stehen.
Der fünfte Ratschlag betrifft, was die Glaubensboten sagen und tun sollen. Da ist keine Rede von Geboten und Gesetzen, sondern es geht darum die Liebe und die Nähe Gottes zu verkünden. Es geht darum Menschen zu heilen, von ihren geistigen und seelischen Krankheiten. Von Einsamkeit und Hoffnungslosigkeit, von Traurigkeit und Mutlosigkeit, und von vielem mehr. Die christliche Botschaft soll ein Leben in Fülle und Glück ermöglichen. Wenn die Christen alle 5 Ratschläge Jesu beachten würden, dann würde sich auch das Ergebnis einstellen, das die 72 Jünger gehabt haben: Alle Ungeister und falschen Lebenseinstellungen und Vorstellungen der Welt werden zu nichts, weil Glaube und Christentum wieder glaubwürdig geworden sind.