Predigt zum 25. Sonntag im Jahreskreis

Liebe Gläubige!
Ich möchte heute bei der Lesung aus dem Alten Testament anknüpfen: Sie tauschen ihre verkehrten Gedanken aus, heißt es da. Welche Gedanken das sind, das ist beim Lesungstext ausgelassen, aber wenn man in der Bibel die ganze Stelle nachließt, dann heißt es da sinngemäß: Das Leben ist kurz, und was uns dann nach dem Tod erwartet ist ungewiss! Also lasst uns das Leben genießen, lasst uns herausholen was geht, sei es auch auf Kosten anderer; nur ich selbst bin wichtig und meine Freiheit uns mein Vergnügen! „Unsere Stärke soll bestimmen, was Gerechtigkeit ist; denn das Schwache erweist sich als unnütz." So heißt es da wörtlich. Ich glaube diese Bibelstelle trifft die Einstellung vieler Menschen  heute. Die Diskussion um die Rente und die Coronamaßnahmen spiegeln das wieder. Der Gerechte, der Gutwillige, der Fleißige, der Anständige und der Schwächere scheint dabei immer draufzuzahlen. Manch einer versucht sich da mit der Gerechtigkeit Gottes zu trösten, oder dass einmal alles besser wird. Und was ist mit Gott? Warum greift er nicht ein, oder sieht er etwa nicht, dass alles schief zu gehen schein? Warum lässt er es zu, dass viele Menschen ihn, den Schöpfer, vergessen; so dass viele Menschen so leben, als ob es Gott nicht gäbe!
Die Antwort darauf gibt uns das heutige Evangelium! Jesus, der Sohn Gottes weiß genau, was ihm blüht: Er wird den Menschen ausgeliefert zur Hinrichtung! Wieder scheint alles schief zu laufen, wieder scheint Gott zuzuschauen. Wieder scheint Jesus die Jünger auf die Zeit nach dem Tod zu vertrösten, seine Auferstehung. Warum lässt Gott das zu? Warum macht er nichts dagegen? Die Jünger sind ganz wie die modernen Menschen: Sie kümmern sich nicht um die Not des Anderen, um die Ängste von Jesus. Es geht ihnen um Ansehen und Macht. So versucht Jesus die Jünger in die Psychologie Gottes einzuführen:
Bei Gott zählt nicht was die bist, oder was du in deinem Leben geleistet hast, sondern was du für andere getan hast. Das ist mit Diener aller gemeint. Der Sinn des Lebens definiert sich nicht durch Leistung sondern in der Wirksamkeit für Andere. Wer sich selbst durch seine Leistung definiert, der fällt plötzlich tief, wenn er einmal nicht mehr in der Lage ist, sie zu erbringen. Ich denke da an den sogenannten Pensionsschock, oder an die Einsamkeit vieler Menschen, oder an das Gefühl anderen eine Last zu sein, in der Krankheit oder im Alter. Ich habe in einem TV Magazin ein krasses Beispiel gesehen: Manche Menschen wollen kein Grab mehr! So wollen sich irgendwo im Wald eingraben lassen. Zum einen, weil sie alleine sind, und es in ihrem Leben versäumt haben Beziehungen und Freundschaften aufzubauen, die sie auch nach dem Tod noch in Ehren halten. Zum Anderen wollen sie den Angehörigen keine Last sein mit der Gräberpflege, wenn sie gestorben sind.
Über allem stehen die Gedanken: Wer nichts leistet wird zur Last und wer nur auf sich selber schaut und egoistisch nach seinem Vorteil schielt, der wird schnell einsam. Also was am Ende wirklich zahlt ist nicht die Leistung, sondern die Beziehung zu Anderen, die Liebe zum Mitmenschen. Jesus will das mit dem Beispiel des Kindern verdeutlichen: Ein Kind muss zuerst nichts leisten, es lebt ganz von der Liebe der Eltern. Wer jetzt ein Kind aufnimmt, d. h. wer eine liebende Beziehung zu einem Mitmenschen  aufbaut, ohne an seinen eigenen Vorteil zu denken und ohne irgendeine Leistung zu erwarten, der findet Gott in seinem Leben, der findet einen Sinn in seinem Leben: Nämlich wieder geliebt zu werden. Mit dieser Erfahrung kann manches Unangenehme ertragen werden, an dem viele andere Menschen heute zerbrechen.