Predigt zum Hochfest Geburt des Täufers

Liebe Gläubige!
Eigentlich feiert die Kirche keine Geburtstage. Die Kirche feiert immer Namenstage, denn der Name bedeutet, dass die ganze Person, mit aller ihren Eigenheiten, Stärken und Fehlern gemeint ist, für die wir Gott danken. Der Gedenktag der Heiligen ist meist der Todestag, der Tag an dem der Mensch sein Leben vollendet hat und Gott zurückgibt. Bei den Heiligen ist das der Tag, an dem wir glauben, dass sie in den Himmel aufgenommen wurden. Aber keine Regel ohne Ausnahme: Tatsächlich feiert die Kirche drei Geburtstage: den Geburtstag von Jesus Christus zu Weihnachten, den Geburtstag der Gottesmutter Maria am 8. September und schließlich den Geburtstag des Johannes des Täufers am 24. Juni. Warum wir den Geburtstag von Jesus oder Maria feiern ist ja offensichtlich: Beide waren schon vom ersten Augenblick ihres Lebens etwas ganz besonderes, und standen von Anfang an in einer einzigartigen Beziehung zu Gott. Jeder auf seine Weise! Aber was hat in dieser Reihe der Johannes der Täufer verloren? Wenn wir die Geschichte des Täufers beim Evangelisten Lukas nachlesen, dann können wir schnell verschiedene Parallelen zur Kindheitsgeschichte Jesus entdecken. Wie bei der Empfängnis von Jesus durch Maria war auch bei Johannes von Anfang an die Hand Gottes im Spiel. Dies ist durch den Engel Gabriel verdeutlicht, der zu seinem Vater Zacharias kam. Er war ein Priester im Tempel zu Jerusalem. Bei einer Opferhandlung hatte er eine Vision: Der Engel Gabriel sagte ihm die Geburt eines Sohnes voraus, den er Johannes nennen sollte. Anders als Maria glaubte aber Zacharias nicht an das was der Engel ihm sagte, wegen des hohen Alters seiner Frau Elisabeth. Daher wurde mit Stummheit geschlagen. Dennoch schlief er mit Elisabeth und zeugte seinen Sohn. Die Szene der Verkündigung haben wir gerade im Evangelium gehört: Weil er nun an Gottes Wirken in der Welt schließlich doch glaubte, konnte er wieder reden. Eine besondere Rolle spielt dabei der Name Johannes. Er ist hebräisch und bedeutet „Gott ist gnädig“. Erst als Zacharias das auf die Tafel schrieb und somit seinen Glauben an die liebende Zuwendung Gottes zum Ausdruck brachte, konnte er seine Stimme wieder gebrauchen. Somit ist klar, dass Johannes von Gott auserwählt wurde zu seinem besonderen Werkzeug: Er soll die Menschen auf das Auftreten des Sohnes Gottes und Erlöser der Welt vorbereiten. So wurde auch sein Name sein Lebensprogramm. Johannes trat nicht wie es damals üblich war in die Fußstapfen seiner Vaters, sondern er verließ seine Familie und zog in die Wüste, um zu entdecken, was Gott mit ihm vorhatte. Man kann daraus eine bewusste Abkehr vom Tempelkult herauslesen, die Johannes vollzogen hat. Ihm war bewusst, dass etwas neues, etwas viel großartigeres kommen muss, das die alten Bräuche als Vorausbild in den Schatten rückt. So widmete er sein Leben der Bußpredigt: Er rief die Menschen seiner Zeit auf, sich auf den Glauben und die damit verbundenen Wert zu besinnen. Er rief die Menschen zur Umkehr auf, denn nur so können sie mit Gott in Beziehung treten und zum Ziel ihres Lebens gelangen. Uns weil sein eigenes Leben von einer tiefen Beziehung zu Gott geprägt war, erkannte er auch in Jesus den Erlöser, den Sohn Gottes, den er als Lamm Gottes bezeichnete. Er wusste, oder ahnte zumindest, dass sich dieser Jesus für uns Menschen wie ein Lamm opfern wird, um uns mit Gott zu verbinden. Johannes trat kompromisslos für Gott und seine Gebote ein, auch wenn es die Reichen und Mächtigen betroffen hat. So hat ihn der König Herodes, als er seinen Ehebruch öffentlich anprangerte, auch hinrichten lassen.
Was macht nun diesen Johannes für uns heute so bedeutsam, dass er in einer Reihe mit Maria und Jesus genannt wird? Da ist zuerst der Glaube an das Eingreifen Gottes in der Welt. Nur wer glauben kann, dass Gott heute noch wirkt, der ist nicht sprachlos angesichts der verschiedenen scheinbaren Heilsangebote unserer Zeit. Wer an das Wirken Gottes glaubt, der hat etwas zu sagen, wenn es um den Sinn des Lebens und auch den Sinn des Sterbens geht; der überwindet die Sprachlosigkeit unserer Zeit angesichts dieser Themen. Außerdem lehrt uns Johannes: Wer sich um ein gottverbundenes Leben bemüht, der hat die Kraft seine eigenen Wege im Leben zu gehen, ohne nur mit der Masse mitzuschwimmen; der hat auch die Kraft dem Negativen und Zerstörerischen im Leben, personifiziert durch Herodes, die Stirn zu bieten. Jeder Mensch, der so lebt, der erkennt auch das Wirken und die Liebe Gottes, wenn es anderen noch verborgen ist, wie damals in Jesus von Nazareth bei der Taufe im Jordan. Nun ist klar warum wir den Geburtstag dieses neuen Menschen feiern: Denn wenn wir die Nähe Gottes so leben wie Johannes, dann kann es auch unser Geburtstag zum wahren Christen sein.