Predigt zum 3. Adventsonntag

Liebe Gläubige!
Es ist schon komisch, da ist ein Penner, ein Gammler, der in der Wüste vom Weltuntergang redet und alle laufen hin. Für uns ist das unvorstellbar, was da mit dem Johannes dem Täufer passiert ist. Heute würde er wohl eher ausgelacht. Er ist eben ein Spinner würden wir sagen. Aber warum sind die Leute damals in Judäa so auf ihn abgefahren? Waren die anders als wir? Das auf alle Fälle. Bei uns heute herrscht Überfluss, Freiheit und verhältnismäßiger Reichtum. Aber damals in der Gegend von Jerusalem war es ganz anders. Von Überfluss war da keine Spur! Die Leute hatten doppelte Steuern zu bezahlen: Für die einheimischen Machthaber, wie den Herodes oder die Tempelsteuer, und für die Römer. Hunger und unheilbare Krankheit waren an der Tagesordnung. Und von Freiheit war auch keine Spur: Ein falsches Wort genügte, wenn es ein Spitzel gehört hat, und man war dran. Wer die NS Zeit erlebt hat, der kann sich das vorstellen. Die Menschen fühlten sich ausgebeutet und um ihr Leben betrogen. Viele hatten keine Perspektive als den täglichen Hunger, während es den anderen, den Großen und Mächtigen immer besser ging, und auch ihr Reichtum wuchs. So war die Zeit, in der Johannes predigte von den Veränderungen der Verhältnisse, und von dem Retter der kommen soll, wenn sich die Menschen wieder auf ihre religiösen Werte besinnen. Dass er dabei kein Blatt vor dem Mund nahm, was die Sünden und Fehler der Mächtigen und Reichen betraf, das machte ihn nur noch glaubwürdiger: Da ist jemand, der sich nicht kaufen lässt, der es ehrlich meint. Wir selbst haben gesehen, wie schnell eine Situation außer Kontrolle geraten kann, wenn sich Menschen ungerecht behandelt und ausgenutzt fühlen. Ich erinnere an die Gelbwestenkrawalle in Frankreich, oder den Aufstand in den arabischen Ländern; aber auch die radikalen Hassprediger der Moslem beziehen ihre Anhänger aus der Masse der Armen und Ausgebeuteten. Solche Menschen ohne Perspektive waren auch die Anhänger des Johannes des Täufers. Aber Johannes predigte nicht Veränderung durch Gewalt, sondern durch Besinnung und Umkehr! Nur wenn die Menschen an sich selbst arbeiten, dann ändert sich auch die Gesellschaft auf Dauer, so war sein Credo. Die Hoffnung auf den kommenden Messias war es schließlich, was alle miteinander verbunden hat. Auf diese Weise hat Johannes das Kommen von Jesus vorbereitet. So hat dieses Evangelium seinen festen Platz in der Adventzeit heute, denn auch wir sollen die Gesellschaft auf das Kommen des Erlösers vorbereiten. Wir sollen uns ändern, dass wir die ganze Gemeinschaft ändern, in der wir leben. Aber Weihnachten war doch schon so oft; immer wieder haben wir das Kommen des Erlösers gefeiert, doch nichts hat sich geändert. Warum wird also das Kind in der Krippe als Erlöser bezeichnet, und was ist mit Erlösung gemeint, in einer Welt in der sich vor Jesus und nach Jesus nichts geändert hat? Da sind wir jetzt bei einem schwierigen Punkt, und das ist auch der Grund, warum die Juden und die Muslime die Göttlichkeit Jesu nicht anerkennen. Wir können das Wort Erlösung als eine Art Befreiung verstehen. Vor Jesus war das Leben auf dieser Welt und das leibliche Wohlergehen das um und auf. Die Juden und viele Menschen hatten keine sichere Vorstellung, dass es ein Leben nach dem Tod geben kann. Nur die Könige in Ägypten und manche reiche Beamte rechneten damals mit einem Leben nach dem Tod. Aber sie betrachteten dieses Leben als Fortsetzung des irdischen in einer anderen Sphäre, daher auch die Grabbeigaben. Erst Jesus hat uns gezeigt, dass es ein Leben nach dem Tode gibt, das zwar ganz anderes ist, als das irdische Leben; aber zu diesem neuen Leben sind alle berufen, die guten Willens sind. Er selbst hat uns gezeigt, dass Not, Folter und Tod nicht das Ende sind, sondern dass Gott die rechten Verhältnisse wieder herstellt. Das wir befreit werden von der Last des Irdischen, ohne dass wir es durch irgendwelche Leistungen verdient hätten: das ist Erlösung. Wir haben Jesus als Beweis. So hat Johannes doch Recht gehabt, wenn er die Menschen ohne Perspektive auf Jesus verwiesen hat. Und auch wir können auf Jesus vertrauen, dass er kommt, spätestens bei unserem letzten Advent, bei unserem Tod.